Wie ich versuchte, die Natur zu genießen. Tag 1 und 2

„Wanderurlaub in den Alpen“ oder „Wie ich versuchte, die Natur zu genießen.“

Der Wanderurlaub in den Kitzbühler Alpen war lange geplant, das Zimmer gebucht und die Vorfreude groß. Ich wollte die Natur einfach genießen und vom Alltag ein wenig Abstand nehmen.

Da ich allein unterwegs war und so die Abende allein verbrachte, der Fernseher im Frühstücksraum stand, ich aber wegen der Fotobearbeitung mein MacBook dabei hatte, kam ich auf die Idee, ein Reisetagebuch zu erstellen, um meine Erlebnisse dem geneigten Leser mitzuteilen.

Heute gibts die Tage 1 und 2, morgen dann Tag 3 usw., bis jeder Urlaubstag seine Geschichte hat:

Tag 1: Ankunft

Start in Dresden war Sonntag 9:30 Uhr, der Tag, als Deutschland bei der WM 2010 den Engländern im Achtelfinale das Fürchten lehren wollte. Spielbeginn war 16 Uhr, das war meine späteste geplante Ankunftszeit. Noch schnell mit dem teuren Dresdner Kraftstoff den Tank gefüllt und ab auf die Autobahn. Es rollte recht gut auf dem grauen Asphaltband bis kurz vor München, da gab es 12 km zäh fließenden Verkehr, es war schlimmer wie Honig, der nicht vom Löffel auf das Brötchen tropft. Noch hatte ich genug Zeitpolster. Plötzlich wurde, wie von Geisterhand, der Honig, pardon, der Verkehr flüssiger. Mein Zielort (Bramberg) war eine reichliche Stunde nach Passieren der Grenze erreicht, jedoch war der Bauernhof extrem schwer zu finden, da er sich hoch oben auf der Alm befand, neben vielen anderen fast gleich aussehenden Bauernhöfen. Ein unendlich langer Ziehweg krümmte sich Kurve um Kurve den Berg hinauf. Doch nach knapp 4 km enger Serpentinen, zweimaligen Verfahrens und einiger Suche war ich endlich da.

Es war kurz vor 16 Uhr. Es war aber keiner da, aber die Türen, zumindest von den Nebengelassen, standen offen. Nach einigem Suchen fand ich die Oma hinten im Garten auf einer Bank sitzend: „Die jungen Leute seien oben auf der Alm Heu machen, sie kommen gegen 18 Uhr nach Hause“, so die ältere Dame. 18 Uhr, da ist das Spiel doch vorbei. Sie zeigte mir den Fernseher, wusste aber nicht, wie dieser und der zugehörige SAT-Receiver zu bedienen ist. Ich probierte es selbst, aber der Bildschirm zeigte nur Ameisen im Schneegestöber. Also erstmal warten und die schönen Tore im Kofferradio hören. Kurz vor halb sechs kam dann doch die Bäuerin und ich konnte mir die letzte Viertelstunde des Triumphs der deutschen Mannschaft über die traurig dreinschauenden Engländer im Fernsehapparat live ansehen. Glückwunsch Deutschland.

Tag 2: Der Großglockner

Der Montag versprach schönstes Sommerwetter. Ein fast wolkenloser Himmel machte meine Entscheidung, die Großglockner-Hochalpenstraße zu bereisen, sehr einfach. Etwa 40 Kilometer Anfahrt und schon stand ich vor der Mautstelle. Für 28 EURO durfte ich weiterfahren. Ich hatte 33 Kilometer Asphalt mit den schönsten Aussichten der Welt vor mir. Enge Kurven, knapp 30 sogenannter Kehren musste ich mit meinem Boliden bewältigen. Meist im zweiten Gang.

Meinen allergrößten Respekt verdienten die Radfahrer, die sich meist im Schritttempo die Straßen empor quälten. Dabei waren es nicht etwa 20jährige Jungspunde, sondern eher Männer (und einige Frauen), welche die Vierzig schon überschritten hatten.

Je höher ich fuhr, desto atemberaubender wurde der Blick auf Berge, Täler, Schluchten und Wälder. Doch ich konnte nicht immer die Natur bewundern, denn ich musste auf den Verkehr achten. Was ich nicht wusste, war, dass just an diesem Tag (und das jedes Jahr am 28. Juni) tausende Wallfahrer (ohne Übertreibung) nach Heiligenblut unterwegs sind, um ein Gelübte aus dem 15. Jahrhundert zum Schutz der Haustiere zu erfüllen. Diese Menschen strömten, von den Almen kommend, quer, meist nicht auf den Verkehr achtend, über die Straße. Manchmal dachte ich, die müssen ein Gottvertrauen zu den Auto- und Motorradfahrern haben. Aber klar, es war eine Wallfahrt und so etwas machen nur streng Gläubige. Wer wenn nicht sie, haben die Zuversicht, dass der alte Mann mit dem weißen Bart oben im Himmel ihnen beisteht.

Irgendwann kam ich an der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe (2.369m) an und suchte mir einen Parkplatz. Der war wenigstens kostenlos. Oben auf der Höhe war von den 28 Grad Taltemperatur nichts mehr zu spüren. Kühle 12 Grad sagten mir, ich solle doch eine Jacke anziehen. Einige Zeitgenossen dachten aber nicht so, sie gingen mit nackten Füßen in Sandalen und kurzem Hemd los. Vielleicht waren es ja Eskimos, die waren die Kälte ja gewohnt. Dennoch sollten sie sich wundern, denn auf dem Gamsgrubenweg war noch die Schneeschmelze im Gang und es war teilweise ziemlich schlammig. Mir war das egal, denn ich hatte die richtige Bekleidung. Im Prinzip stimmte dies, doch ich hatte mein Basecap und was noch viel schlimmer war, die Sonnencreme in meinem Zimmer vergessen. Das sollte sich am Ende des Tages schmerzhaft rächen, denn nun zähle ich zu den Rotstirn-Indianern.

Vom Parkplatz ging es über ein Plateau zu den sechs, im Schnitt 200m langen, Tunnel bis zum Gamsgrubenweg, der eine wunderbare Sicht auf den Pasterzengletscher im Tal und auf die Berge ringsum bot, deren höchster Gipfel der Großglockner (3.798m) ist. Nach einer knappen Stunde Wanderung erreichte ich das Ende des Weges. Ein riesiges Schneefeld sagte dem Normalwanderer: Hier geht es nicht weiter. Sollte man ein Seelenverwandter Reinhold Messners sein, konnte man durchaus weiter bis zum nächsten Berg laufen. Aber wer ist das schon und wer will das schon.

Auf dem Rückweg entdeckte ich beim Schweifen meines Blickes auf die oben gelegenen Wiesen einen seltsamen Stein. Bei genauerem Hinsehen entpuppte sich der Stein als Murmeltier, welches sich in der Sonne badete und von mir überhaupt keine Notiz nahm. So fotografierte ich es und ging weiter. Keine fünf Minuten später, sah ich weiter unten im Tal zwei dieser possierlichen Nager miteinander kämpfen (oder spielen?). Innerhalb von dreißig Sekunden war das Spektakel vorbei und die beiden rannten in unterschiedliche Richtungen davon. Auch dies wurde mit der Kamera festgehalten. Natürlich gab es auch zahlreiches Florales zu sehen und zu fotografieren: Frühlingsenzian, Alpenrosen, Alpen-Minze usw.

Bei der Rückfahrt genoss ich nochmals die unglaublichen Ausblicke, die mir nach jeder Serpentine neu geboten wurden. Die Schönheit der Natur wird einem erst gewahr, wenn man diese auch bewusst genießen kann. In aller Ruhe und mit größter Aufmerksamkeit.

Die Fotos zum Tag: http://bit.ly/alpentag1

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