Tag 3: Der Wildkogel, die Ungarn und die Kühe

Tag 3: Der Wildkogel und die Kühe

Seltsamerweise wachte ich auch am zweiten Wandertag vor 7 Uhr auf, dabei hatte ich doch Urlaub und könnte länger schlafen. Sei es drum. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Das stimmte insofern, denn das Frühstück entsprach wie jeden Tag ganz meinen Vorstellungen, nur eben ohne Wurm, bin ja auch kein Vogel.

Für heute hatte ich mir den Wildkogel (2.224m) vorgenommen. Also bin ich in den Nachbarort gefahren, um dort in die hiesige Gondelbahn zu steigen. Leider hatte ich mich nicht richtig informiert, denn die ersten Kabinen sollten sich erst 9:30 Uhr in Bewegung setzen. Was machte ich nur mit der Stunde, die ich jetzt noch vor mir hatte? Ich ging in die hiesige Touristeninformation und schaute mich um. Da lag ein Faltblatt zur Wildkogelbahn aus und dort stand schwarz auf weiß, dass die erste Fahrt um 9:30 Uhr stattfindet. Aber das wusste ich ja nun schon. Den Rest der Zeit verbrachte ich auf den Stufen des Eingangs der Gondelbahn und beobachtete die Teilnehmer einer ungarischen Rentner-Reisegruppe, welche direkt vor dem Eingang der Kabinenbahn aus einem Bus entstiegen. Ich dachte daran, dass dieses Völkchen den unvergesslichen Adolar, den Pom-Pom und den Mikrobi hervorgebracht hatten und dies trotz dieses seltsamen Kauderwelschs, was diese Leute sprechen.

Weiter konnte ich nicht darüber sinnieren, denn die Pforten zur Bahn öffneten sich. Ich setzte mich in eine Kabine und schaukelte der Bergstation entgegen. In meiner Gondel saß ein hagerer Mann, so um die Vierzig, nur die Brille stammte wahrscheinlich von einem amerikanischen Studenten aus den 70er Jahren, sicher ein Geschenk vom Schüleraustausch damals. Er hatte einen riesigen Rucksack dabei. Drinnen war ein Paragleiter verriet er mir und den wollte er auch gleich benutzen. Während der zehn Minuten Fahrt testete er sein Höhenmeter. Aber das Gerät piepste nur monoton vor sich hin. Hoffentlich funktionierte es richtig, wenn er in der Luft war. Ich wünschte ihm Hals- und Beinbruch, als wir ausstiegen. Sicher war ich mir nicht, ob es der richtige Gruß war.

Ein unglaublicher Blick bot sich mir als ich aus der Bergstation (2.100m) trat. Täler, Berge, Hütten, und leise das Klingen der Glocken der Kühe, welche weiter unten auf einer Alm sich am Gras labten. Sogleich machte ich mich auf den Weg zum Wildkogel. Von der Bergstation bis zum Gipfel sind es zwar nur reichlich hundert Höhenmeter, aber der Weg dahin ist relativ steil und steinig. Dann endlich, wie es Stephan Remmler voraus gesagt hat: Oben auf dem Berg. Die Rundumsicht ist tatsächlich atemberaubend. Es gibt sogar ein Gipfelkreuz. Es war einer der Momente, wo ich mit der Natur eins war, ganz allein auf dem Gipfel eines Berges. Die ungarischen Reisenden sind wohl gleich zum Wildkogelhaus unterhalb der Bergstation zum Schmausen gelaufen, keiner von unseren südlichen Fastnachbarn hat den Berg erklommen.

Ich ging vom Gipfel einen anderen Weg weiter, er führte mich auf dem Bergrücken sanft hinunter auf eine Alm. Eine knappe Stunde bin ich dort mutterseelenallein gewandert, nur die Bienen und Hummeln summten, wenn ich an einer Alpenrosenwiese vorbei kam. Es war traumhaft. Auf der Alm, die nur aus einem Wegweiser und einer Bank bestand, machte ich ein kleines Picknick und entschied mich danach, den Weg weiter hinunter zu gehen. Die Vegetation nahm wieder zu, das Gras wurde grüner, ich sah jetzt Enzian und Gold-Pippau. Etliche Pfützen mit Brackwasser, auf denen sich Wasserläufer tummelten, säumten meinen Pfad. Die Stille war faszinierend. Ich wusste nicht, ob ich weinen sollte oder nicht, tat es letztendlich aber nicht, es konnte mich vielleicht doch jemand sehen.

Nach einer weiteren knappen Stunde sah ich sie: Kühe lagen auf meinem Weg und glotzen mich doof an. Wie sollte ich nun dort unbeschadet vorbeikommen? Ich nahm meinen Mut zusammen und lächelte, als ich auf sie zuging. Die Rindviecher guckten mich immer noch blöd an. Plötzlich stand eine von ihnen auf, obwohl ich noch nicht vorbei war. Ein flaues Gefühl beschlich mich. Doch sie interessierte sich nicht für mich, sondern düngte mit lautem Platschen die Wiese. Geschafft.

Jetzt war es noch eine knappe halbe Stunde bis zum Wildkogelhaus, wo sicher noch die ganzen Magyaren herumlungerten. Aber keine Spur war mehr von ihnen zu sehen. So trank ich dort einen Johannisbeersaft und machte mich anschließend auf den Weg zur Mittelstation der Seilbahn. Der Abstieg dorthin war steil, aber sehr romantisch. Kleine Bächlein bahnten sich den Weg ins Tal, Hunderte der verschiedensten Blumen machten den Weg bunt. In der Gondel nach unten war ich allein. In der Talstation angekommen, empfingen mich 30 Grad im Schatten. Da war es oben auf dem Berg angenehmer. Kaputt und mit dampfenden Füßen setzte ich mich ins Auto und fuhr auf „meinen“ Bauernhof, um mir aus dem dortigen mit Quellwasser gespeisten Brunnen eine Flasche Almdudler (Brause) zu genehmigen.

Die Bilder zum Tag: http://bit.ly/alpentag2

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