Tim und der Kosmonaut – Eine Weihnachtsgeschichte.

Es war Ende November in der kleinen Stadt und es herrschte bereits eine bittere Kälte. Tim drückte sich die Nase an der Schaufensterscheibe des Spielzeugladens platt. Immer wieder wischte er mit dem Ärmel seiner Jacke die Scheibe blank, die durch seinen Atem beschlug. Fasziniert und zugleich gedankenverloren schaute er sich den kleinen Kosmonauten in seinem dicken Raumanzug an, der neben einer silbernen Rakete, an der rote Sterne prangten, stand und auf den Abflug wartete. Es sah aus, als ob der Kosmonaut Tim zuwinkte. Zumindest lächelte er ein wenig. Genau war das aber unter dem Helm nicht zu sehen, Tim war sich aber ganz sicher, dass der Raumfahrer dies tat.

Zu gern hätte Tim die Rakete und den Kosmonauten unter dem Weihnachtsbaum gesehen, doch Mutter sagte, dass neue Schuhe wichtiger seien.

Jeden Tag nach der Schule ging Tim zum Spielzeugladen und hoffte, dass kein anderes Kind die Rakete mit seinem Kosmonauten gekauft hat. Aber es stand immer noch da. Tim war jedes Mal erleichtert. Gemeinsam mit dem Kosmonauten wartete er Tag für Tag auf den Start der Rakete. Sie sollte in den Weltraum zu fernen Planeten fliegen, um diese zu erforschen.

Weihnachten rückte immer näher. Die dritte Adventskerze war schon längst angezündet. Wie jeden Abend, lag Tim in seinem Bett. Das Mondlicht lugte zaghaft durch das Fenster. Die Sterne funkelten am wolkenlosen Himmel. ‚Was wäre es schön, wenn ich jetzt mit meinem Kosmonauten und der Rakete spielen könnte.‘ Mit diesen Gedanken schlief er ein.

Plötzlich rumorte es an seinem Fenster. Tim erschrak. Verschlafen blinzelte er unter der Decke vor. Der Kosmonaut stand draußen auf dem Fensterbrett und klopfte an die Scheibe. Schnell sprang Tim aus dem Bett und öffnete das Fenster. Eiseskälte schlug ihm entgegen. Aber das war jetzt egal. Sein Kosmonaut stand vor ihm und jetzt redete er sogar: „Ich wollte mich bei dir verabschieden, meine Mission beginnt gleich. Die Rakete ist startklar. Auf Wiedersehen, Tim.“ Da sah der Junge, dass unten auf der Straße die kleine silberne Rakete mit den roten Sternen unter der Straßenlaterne stand. Erstarrt vor Kälte und Freude stand Tim am offenen Fenster. Der Kosmonaut war inzwischen wieder herunter geklettert und stieg in die Rakete. Er winkte. Tim hob seine rechte Hand und winkte zurück.

Wenig später züngelten kleine rote Flammen unter der Rakete hervor und langsam, mit einem kleinen Zischen, hob die Rakete ab. Als sie in Höhe des Fensters war, schaute der Kosmonaut durch das Bullauge der Rakete. Jetzt war sich Tim sicher: Der Kosmonaut lächelte. Die Rakete wurde schneller und schneller. Immer höher flog sie in den klaren Nachthimmel empor, bis nur noch ein kleiner roter Punkt zu sehen war.

Tim schloss das Fenster und kletterte glücklich in sein kuschelig warmes Bett zurück. Er schlief schnell ein. Dabei hatte er ein seliges Lächeln auf den Lippen.

Weihnachtszauber 2011
 Diese Geschichte ist mein Beitrag zur Anthologie „LeseBlüten – Weihnachtszauber 2011“ aus dem piepmatz Verlag.
Ein Buch für große und kleine Weihnachtsfans. Es gibt verschiedene Kapitel, z. B. für die, die noch an den Weihnachtsmann glauben oder es möchten und die, die es nicht mehr tun.
ISBN: 978-3-942786-11-9, 240 Seiten, broschiert, 6 Farbabbildungen.

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