Spätsommermelancholie.

Wenn der Wind über das Stoppelfeld weht, ist Herbst, sagte Großvater immer. Heute bestickt nur eine leichtfüßige Brise das blaue Tuch des Himmels mit weißen Wolkenblumen. Vor mir breitet sich das scheinbar unendliche Meer des Sonnenblumenfeldes aus, welches ich bereits vor sechs Wochen bestaunt hatte.

Doch die goldgelbe Blütenpracht ist dahin. Letztens lächelten mich noch tausende Blüten freudig an, heute lassen sie nur traurig ihre braunen Köpfe hängen.

Bald kommen die großen Mähdrescher und kippen sich die wertvollen schwarz-weißen Samenkerne in ihre dicken Bäuche. Der Rest der Pflanze landet gehäckselt als Stroh auf dem Feld und wird bald untergepflügt. Weidelgras wird für das nächste Jahr gesät.

Die Vergänglichkeit des Lebens wird mir schlagartig bewusst. Eine leichte Herbstmelancholie erfasst mich. Die Jahreszeiten rennen und ich erkenne, dass man doch oft innehalten sollte, um wunderbare Momente zwischendurch zu genießen.

Noch immer stehe ich am Rand des Feldes und schaue gedankenverloren über die in langen Reihen leicht wogenden Hängeköpfe. Doch dann lächle ich. Nächstes Jahr werden die Sonnenblumen wieder ihre freundlichen Gesichter zeigen. Irgendwo, auf einem anderen Feld, ganz in der Nähe.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s