One Fine Day – Ein Abend mit Camouflage.

Dresden. Samstag, 7. Februar 2014. 18 Uhr. Milde sechs Grad. Ein leichter Wind umsäuselt die etwa 50 zumeist schwarz gekleideten Menschen, welche am Eventwerk am Einlass ausharren, um sich das Jubiläumskonzert von Camouflage anzusehen. 30 Jahre elektronische Musik vom Feinsten. Erwartungsvolle Spannung ist überall zu spüren. Pünktlich 18:30 Uhr öffnen sich die Tore und die inzwischen auf mehrere Hundert Wartende angewachsene Menschenschlange wird vom Gebäude langsam, aber stetig verschluckt.

Drinnen bollert uns Kachelofenwärme entgegen. Wir eilen zum Fanartikelstand, um die vorbestelle und längst bezahlte Jubiläums-Box in Empfang zu nehmen. Immerhin gibt es weltweit nur 1.000 Stück davon. Zehn liebevoll gefertigte Digipacks mit den sieben bisher erschienenen Alben und großartigen Bonustracks (eine CD mit Liveaufnahmen, eine andere mit Demos und die längst vergriffene EP des Nebenprojektes „Areu Areu„). Dazu gibt es ein großformatiges Heft mit Fotos und Texten sämtlicher bisher erschienener Songs und noch ein Hardcoverbuch mit der Bandgeschichte und vielen Bildern. Das ganze natürlich signiert.

Über eine Stahltreppe geht es hinauf in die Galerie. Dort gibt es eine sensationelle Camouflage-Ausstellung, die einzig und allein für diesen Abend liebevoll zusammengestellt ist: In Glasvitrinen lagen viele Tonträger der Camous, angefangen vom Masterband der ersten Single „The Great Commandment„, über zum Teil rare 7″ und 12“ Vinylscheiben, bis hin zu den CDs, wovon die US-Promo-CD von „That Smiling Face“ wohl die gesuchteste Scheibe überhaupt ist. Sozusagen der heilige Gral von Camouflage. An den Wänden hängen Poster und Bilder der verschiedenen Schaffensperioden, eine nachgebaute Bühne aus der Anfangszeit lädt zum Fotografieren am Keyboard oder den Drums ein. Einige Utensilien von Videodrehs gilt es zu bewundern, man kann über Kopfhörer Originalsequenzen verschiedener Songs hören. Die Ausstellung erweist sich als wahre Schatzkammer für den geneigten Musikliebhaber.

20.30 Uhr ist es dann soweit: Der Opener „Camouflage Overture„, ein Instrumentalstück, welches gemeinsam mit dem Deutschen Filmorchester Babelsberg aufgenommen wurde und sieben Camouflage Songs enthält, erfüllt monumental den Raum. Die Herren Marcus Meyn, Heiko Maile und Oliver Kreyssig betreten die Bühne, gefolgt vom Gitarristen Volker Hinkel (Fools Garden) und Schlagzeuger Jochen Schmalbach. Doch hier gibt es gleich die erste Überraschung: Das Gründungsmitglied Martin Kähling spielt bei den ersten beiden Songs „Kling Klang“ und „Fade in Memory“ am Keyboard. Weiter geht es chronologisch durch die musikalischen Köstlichkeiten. Gastmusiker Hansi Behrendt (Ideal) percussioniert durch das Konzert, Schlagzeuger Thomas „Stibbich“ Dörr (Two of Us) wechselt sich mit seinem Kollegen Jochen Schmalbach ab. Gitarrist Ingo Ito, der von 1989 bis 1995 die Band begleitete, spielt bei zahlreichen Songs die „zweite“ Gitarre.

Der Keyboarder Robin Pohle stimmt das original 1989er Piano Intro von „The Great Commandment“ an. Die Menge fängt an zu kochen. „On Islands“ verschafft mir eine Gänsehaut, den Song habe ich noch nie live gehört. Beim 1991er „This Day“ wird der Violinenspieler Julian Boyd live aus New York per Videoleinwand zugeschaltet und zelebriert den Geigenpart des Songs. Fantastisch! Die Sängerin Julie Ocean singt mit Marcus Meyn  im Duett „Close“ und „Pedestrian’s Adventures„. Bei „Suspicious Love“ tanzt der Saal ausgelassen.

Eine Riesenüberraschung ist es, als De/Vision die Bühne betritt und gemeinsam mit Camouflage den Song „Thief“ intoniert. Das Publikum ist begeistert. Nach den „Hits „Me and you„, I can’t  feel you“ und „Confusion“ wird der Dresdner Felix Räuber (Polarkreis 18) angekündigt und er singt mit Marcus „Passing by“ vom 2006er Album „Relocated„. Nach dem intensiven „Dreaming“ wird endlich die im Herbst erscheinende Single „Shine“ zu Gehör gebracht. Ein Ohrwurm, wie man es von Camous gewohnt ist. Leider müssen wir noch einige Monate auf den Tonträger darauf warten. Das neue Album „Greyscale“ erscheint auch erst Mitte September.

Die erste Zugabe beginnt mit dem kraftvollen „We are Lovers“ gefolgt von „Heaven„. Dann wird Peter Heppner (Wolfsheim) angekündigt, der mit Marcus MeynThat Smiling Face“ interessant interpretiert. Der erste Song der zweiten Zugabe ist eine Pianoversion des Songs „Helpless, Helpless„, bei der Christian Zirngibl, seines Zeichens Filmmusiker, die Tasten drückt. Der letzte Song des Abends ist „Love is a Shield„, welcher die Massen zum lauten Mitsingen animiert. Nach knapp drei Stunden und insgesamt 27 Songs ist das Konzert zu Ende. Ich bin regelrecht geflasht von dem, was ich erlebt habe. Mit glänzenden Augen stehe ich wenige Meter vor der Bühne und bin glücklich. Einfach glücklich.

Kurz vor Mitternacht mache ich mich auf den Weg nach Hause, im Gepäck die große Camouflage-Jubiläums-Box, die daheim sogleich ausgiebig inspiziert und bewundert wird.

Danke Marcus, danke Heiko, danke Oli und danke allen Beteiligten: Es war mein persönliches Woodstock, nur ohne Schlamm, Sex und Drogen. Und nächstes Jahr im Januar sehen wir uns zur „Greyscale„-Tour wieder.

PS: Diese Konzertreview erscheint nicht sehr objektiv, dies habe als großer Camouflage-Fan auch gar nicht beabsichtigt. Ihr sollt nur an meiner Freude teilhaben.

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