Butterbrötchen und Kakao.

Mit meiner Oma konnte ich nie telefonieren. Als sie vor 31 Jahren ging, hatten wir noch keinen Fernsprecher. Kaum jemand hatte im Osten Deutschlands ein Telefon. Aber das war nicht weiter schlimm, denn meine Großeltern wohnten im Nachbardorf, knapp fünf Kilometer von der elterlichen Wohnung entfernt. So radelte ich ab und zu hinüber. Doch am liebsten verbrachte ich einen Teil der Sommerferien bei ihnen. Es waren schöne Ferien. Ich bin auf den Feldern und im Wald umher gestrolcht, habe im Garten Zuckererbsen genascht, saß im Kirschbaum und ließ mir die roten Kugeln munden.

Damals arbeiteten Großmutter und Großvater im hiesigen Rinderoffenstall, der für mich ein großer Abenteuerspielplatz war: die große Lagerhalle mit den Strohballen (Es war verboten, aber ich bin trotzdem darin herumgeklettert.), die riesigen Pelletshaufen in der Lagerhalle und die halbautomatische Melkanlage mit ihren seltsamen Gerätschaften. Vor dem eigentlich Stall hatte ich ziemlichen Respekt. So eine Kuh, auch wenn sie hinter Gitterstäben in einer langen Reihe steht, war für mich Halbwüchsigen schon angsteinflößend. Da ging ich lieber zu den Kälbchen, die hatten so schöne große Augen und noch nicht solche langen Zungen.

Manchmal kam Oma mittags nach Hause und kochte mir einen Kakao. Kein süßes Pulver, wie es jetzt überall zu kaufen gibt, sondern den dunklen, öligen Kakao. Weil ich gierig war, verbrannte ich mir regelmäßig die Zunge am heißen Getränk. Sie war dann ganz taub, aber das frische Brötchen mit der kühlenden Butter ließ mich den Schmerz vergessen. Dieses Mahl war unglaublich lecker. Großmutter wusste, dass ich mich darüber freute und servierte mir das Menü jedesmal mit einem liebevollen Lächeln.

Sie hatte von der harten Arbeit einen festen Händedruck und ihre Haut war ziemlich rau. Aber ich kannte es nicht anders. Es gehörte einfach zu ihr. Es war meine Großmutter und sie war ein sehr herzlicher Mensch, den ich ungemein mochte. Gern hätte ich sie noch länger um mich gehabt. Aber sie wollte nicht. Manchmal fehlt sie mir sehr.

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