Die erste Liebe feiert Silberhochzeit.

Der 9. November. Für uns Deutsche ist dies ein geschichtsträchtiges Datum, in jeglicher Hinsicht. Doch auch für mich persönlich hat dieser Tag eine ziemlich große Bedeutung. Wie der Zufall es will, betrifft dies das Jahr 1989. Damals hatte ich gerade meine Lehre als Instandhaltungsmechaniker für technologische Ausrüstungen (in Normaldeutsch: Pumpenschlosser) beendet und machte noch ein Jahr das Abitur an der Martin-Luther-Universität in Halle an der Saale. Eigentlich sollte ich beim damaligen großen Bruder Maschinenbau studieren. Zum Glück kam die Wende und ich entging meinem russischen Schicksal.

Doch zurück zum 9. November 1989. Ein Klassenkamerad lud mich damals zu seinem Geburtstag ein. Dazu muss man wissen, dass wir in einem Wohnheim untergebracht waren, in Dreizehngeschossern, meist je vier Mann auf 16 Quadratmetern mit nur drei Schränken. Trotz strenger Kontrollen durch einen älteren Herrn als Aufpasser, den wir durch ein ausgeklügeltes Warnsystem überlisteten, und fernab des elterlichen Zugriffs, hatten wir meist ein fröhliches Jugendleben. Das Geburtstagskind lud also neben etlichen anderen Klassenkameraden, mich und auch einige Mädchen aus der 11. Klasse ein. Wir waren ja immerhin schon zwei Jahre älter, also richtige Männer, zumindest fast.

Nun war es so, dass am Fenster ein etwas blasses Mädchen dunkelblonden Locken saß. Auf dem Schulweg hatte ich sie schon mehrfach gesehen. Sie hatte lustige Sommersprossen. Ich wurde auf einen Stuhl gedrückt und saß ihr direkt gegenüber an der anderen Seite des Tisches. Sie lächelte mich an. Da ich zu dieser Zeit noch extrem schüchtern war, wusste ich überhaupt nicht, was ich tun sollte. So lächelte ich einfach zurück. Wir haben dann gegessen, getrunken, geredet und gelacht. Zwischendurch schauten wir uns immer mal wieder tief in die Augen und lächelten uns an. Irgendwann spät am Abend mussten wir auch ins Bett, denn am nächsten Tag war Schule angesagt. Als Gentlemen begleitete ich sie natürlich noch zu ihrem Zimmer, welches drei Etagen tiefer lag. Sie küsste mich zum Abschied, bevor sie die Zimmertür öffnete. Unsere Lippen berührten sich eine kurze Ewigkeit. Dieser initiale Moment lies mich zu einer erntereifen Tomate erröten. Unbekannte Glücksströme durchfluteten meinen Körper. Klar denken konnte ich zu diesem Zeitpunkt sowieso nicht mehr. Es war einfach nur schön.

Wie ich diese Nacht schlief, weiß ich nicht mehr. Bestimmt tief und fest. Jedenfalls erfuhr ich dann früh am Morgen im Radio, dass die Mauer gefallen war. Deutschland war wieder vereint. Und ich hatte mich das erste mal so richtig verliebt und deswegen ein Stück Weltgeschichte verpasst. Aber das war mir in diesem Moment egal.

Unsere Liaison dauerte leider nur zwei Jahre, dennoch werde ich jedes Jahr an diesen Tag durch Funk und Fernsehen erinnert. Dieses Jahr zum 25. Mal. Deswegen proste ich nun virtuell meiner „Silbergemahlin“ von Ferne zu. Auf die nächsten 25 Jahre. Zum Wohl!

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