Die Sonnenblumenkönigin und der Rapsfresser.

Mitte Juli. Der Sommer versucht gerade, es sich im Land bequem zu machen. Gleich kurz nach dem Frühstück lockt die Sonne meine zehnjährige Tochter und mich ins Freie, wir fahren mit dem Fahrrad zu dem riesigen Sonnenblumenfeld am Rande des Dorfes.

Die Hitze flimmert bereits auf der Straße, doch von Ferne sehen wir schon die vielen tausenden Sonnen leuchten. Wir treten schneller in die Pedalen. Kurz darauf empfangen uns die freundlich drein schauenden gelben Korbblütler. Am Feldrand leuchten noch die weiß-gelben Blüten der Wilden Kamille, doch das knallige Gelb der Sonnenblumen fasziniert uns mehr. Hunderte Bienen und Hummeln erfüllen die Lüft mit einem sonoren Summen und Brummen. Der letzte Nektar muss noch gesammelt werden, bevor die Zungenblüten zu Boden fallen und die dunklen Kerne das Licht der Welt erblicken.

Wir laufen weiter in das Feld hinein und sind nun inmitten in einer anderen Welt. Vielleicht begegnen wir auch der Sonnenblumenkönigin. Wer weiß das schon.

Wir laufen das ganze Feld hindurch, überqueren einen kleinen Feldweg und schon stehen wir vor einem erntereifen Rapsfeld. Die erste Bahn ist schon abgeerntet, die Stängel stehen wie zu lang geratene Bartstoppeln auf dem Boden. Der Mähdrescher bahnt sich seinen Weg durch das schier undurchdringliche Dickicht der Ölpflanzen. Im Frühjahr blühten sie intensiv gelb und duften schon von Ferne. Sobald sie reif ist, sind die Pflanzen eher grau bis braun und bergen in ihren Schoten die schwarzen Samenkerne, aus denen später Rapsöl gepresst wird.

Der große Rapsfresser ist inzwischen in unsere Nähe gekommen und das Schneidwerk verschlingt unbarmherzig mit lauten Geratter Stück für Stück den Rapsdschungel. Die Körner bleiben im dicken Bauch des Mähdreschers liegen, die Stängel kommen mit einer gewaltigen Staubwolke gehäckselt aus dem Hinterteil des eisernen Riesen.

Wir verfolgen interessiert das Schauspiel noch eine Weile und machen uns wieder auf den Rückweg. Wir flanieren durch das Sonnenblumenfeld und nicken den freundlichen, im Winde wiegenden, Blütenköpfen zu. Vergnügt radeln wir nach Hause. Die Sonnenblumenkönigin haben wir zwar nicht gesehen, aber Oma hat zum Mittagessen Hefeklöße mit Kirschen und Vanillesoße gekocht. Das entschädigt dann doch ziemlich.

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