Das Leben ist schön.

Ich bin 45 Jahre alt. Der vor wenigen Tagen aufgrund eines Hirnschlags von uns gegangene Jazzmusiker Roger Cicero war mein Jahrgang. Das hat mich ziemlich berührt. Mit Mitte 40 von einem Tag auf den anderen nicht mehr da sein. Vorbei. Aus. Schluss. Für immer.

In der Nacht nach dieser Nachricht habe ich schlecht geschlafen. Ich grübelte und malte mir meine eigenen Horrorszenarien aus. Was, wenn dies mir passiert. Einfach so, unerwartet. Meine Kinder hätten keinen Vater mehr, meine Freundin, meine Familie, Freunde, Arbeitskollegen. Alles wäre nicht mehr, wie es war. Eine gruselige Vorstellung.

Natürlich muss so etwas nicht eintreffen, aber es kann jederzeit passieren. Man sollte deswegen nicht in Trübsal verfallen, sondern sich jeden Tag kleine, und ab und zu größere Höhepunkte schaffen. So besuche ich oft meine Eltern, meist zusammen mit meinen Kindern, damit wir gemeinsam Dinge machen können, die uns glücklich machen. Das sind alltägliche Sachen wie Essen kochen, gemeinsam Rommé spielen (obwohl Oma oft versucht, zu schummeln), nach dem Grillen am Lagerfeuer uns Geschichten von früher erzählen, durch den Wald pirschen und den Frühling entdecken.

Voraussetzung dafür ist jedoch, dass man mit sich im Reinen ist. Man sollte öfter an sich selbst denken und seinen Leidenschaften (in Maßen) frönen, ohne die Familie zu vernachlässigen. Jeder braucht Zeit für sich. Der Stress auf Arbeit schlaucht schon genug und meistens dankt einem das sowieso niemand. Man kann aber bewusster leben, sich gesünder ernähren und etwas mehr bewegen. Aber das ist alles nicht so einfach, weil der innere Schweinhund  ziemlich träge ist. Den gilt es öfters zu bezwingen. Vor allem soll man sich nicht mit den lieben Mitmenschen streiten und wenn, dann ganz schnell wieder versöhnen. Jeder Tag mit nicht geklärten Dingen ist ein verlorener Tag.

Das alles hilft natürlich nicht viel gegen schlimme Krankheiten oder Unglücksfälle, aber dann hat man sein Leben zumindest glücklich und zufrieden verbracht. Und hier hatte schon Goethe recht, wenn er Faust zu Mephisto sagen lässt:

„Werd‘ ich zum Augenblicke sagen:
Verweile doch! Du bist so schön!
Dann magst du mich in Fesseln schlagen,
Dann will ich gern zugrunde gehn!“

Aber noch lebe ich und gleich gibt es ein gemeinsames Kaffeetrinken mit der ganzen Familie, drei Generationen an einem Tisch, wo gegessen, erzählt und gelacht wird. Da denkt niemand an die schlechten Dinge dieser Welt, denn das Leben ist schön.

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