Elvira.

Seit knapp drei Wochen sehe ich sie jeden Tag. Oder besser gesagt, dass was sie erschafft. Eine kunstvolle und filigrane Arbeit macht sie. Kunsthandwerk in Perfektion. Mein linker Autorückspiegel sieht inzwischen sehr extravagant aus. So etwas hat heute nicht jeder. Und vor allem, es kostet mich keinen Cent.

Jeden Tag, wenn ich ins Auto steige und in den Rückspiegel blicke, hoffe ich, sie zu sehen. Doch meist schwingt nur das Netz ein wenig im Wind hin und her.

Ein einziges Mal sind wir uns persönlich begegnet, aber sie rannte wortlos und geschwinden Fußes hinter den Spiegel und versteckte sich. Dabei wollte ich nur kurz „Hallo!“ sagen. Als Nachbarn sollte man sich um eine gewisse Kommunikation bemühen. Aber nicht jeder ist wohl offen für einen kurzen Plausch. Gut, ich hatte weder Kaffee noch Kuchen, Pardon, Willkommensgrußinsekten, dabei.

Inzwischen haben sich Pappelflaum und andere Samenfasern im Netz verfangen. Ich setze mich ins Auto, starte den Motor und fahre los. Je schneller ich fahre, desto mehr fängt das Netz an zu schwingen. Aber es reißt nicht, echte Wertarbeit eben. Und ich glaube, hinter dem Spiegel schaut plötzlich Elvira hervor und winkt mir mit zwei ihrer acht Beine zu. Vielleicht blendet mich auch nur die Sonne ein wenig. Wer weiß das schon so genau.

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