Schottland oder Auf der Suche nach den Rittern der Kokosnuss.

Nach Schottland wollte ich schon immer. Die mächtigen Burgen, Schlösser, Kathedralen, Abteien, die Ruinen der genannten Gebäude sowie die urwüchsige Natur zogen mich schon früh in ihren Bann. Verstärkt wurde der Wunsch, als ich als Jugendlicher Monty Phytons „Die Ritter der Kokosnuss“ sah. Unbedingt wollte ich die Drehorte besuchen, dieser skurrile Humor des Films nahm mich sehr gefangen. Es blieb vorerst ein Traum, da man aus der DDR nicht einfach mal in das nichtsozialistische Ausland fahren durfte. Außerdem hat ich mal eben nicht so viele Devisen vorrätig. So zogen die Jahrzehnte ins Land, bis ich mir diesen Wunsch erfüllte. Diesen Sommer war es nun endlich soweit.

Von Berlin ging es mit dem Flugzug in nicht einmal zwei Stunden nach Edinburgh. In der Hauptstadt Schottlands blieben wir drei Nächte und zwei volle Tage, schauten uns das quirlige Leben an, besuchten Edinburgh Castle (das ist echt riesig und ich glaube, halb China war gerade dort), Palace of Hollyroodhouse (die Sommerresidenz der Queen) und natürlich bestiegen wir den Hausberg Arthurs Seat, der einen herrlichen Blick auf die Stadt freigibt. Natürlich waren wir auch Shoppen. Das ist einfach so, wenn man mit weiblicher Begleitung reist. Ihr größter Wunsch war es, einen Cath Kidston Laden zu besuchen, den ich ihr gern erfüllte. Zu meinem Entsetzen war dort gerade Mid Season Sale. Ich wollte sie bremsen, meine Gedanken kreisten um das Koffergewicht und den Rückflug, doch am Ende hatten wir zwei Handtaschen mehr im Gepäck. Die Schuhe, die wir später kauften, erwähne ich hier nur am Rande mit einem großen Augenrollen.

Am vierten Tag nahmen wir uns einen Mietwagen und fuhren Richtung Norden. In Großbritannien herrscht Linksverkehr und es gibt fast nur Kreisverkehre und keine Rechts-vor-Links-Regelung. Das sollte man wissen, bevor es losgeht. Der Vauxhall Corsa (also ein britischer Opel) hatte zum Glück einen großen Motor, so dass wir auch später in den Bergen gut zurecht kamen. Doch so ein Kreisverkehr hat seine Tücken. Ich brauchte eine Weile, bis ich begriff, wie man sich einordnen muss, damit man aus der richtigen Ausfahrt des Kreisverkehrs wieder heraus fahren konnte. Das hört sich vielleicht etwas trivial an, aber in der Hauptverkehrszeit einer Großstadt ist das nicht lustig.

An diesem Tag besuchten wir Sterling Castle (sehr beeindruckend und groß) und dann war es soweit: Der Hauptdrehort von „Die Ritter der Kokosnuss„, das Doune Castle wurde von mir fototechnisch okkupiert. Ich schaute mir jeden Raum und auch den Innenhof mit dem Brunnen und der Treppe an und sah die Filmszenen vor meinem inneren Auge ablaufen. Es war einfach grandios. Man muss wissen, dass im Prinzip alle Innendrehs in diesem Castle stattfanden, es wurde einfach nur umdekoriert und aus anderen Perspektiven gefilmt. Ebenso stammen sämtliche Außenaufnahmen von Schlössern dieses Films von diesem einen Castle. Es war Camelot, Schloss Dosenschreck und das Sumpfschloss. Lediglich in der Schlussszene des Films ist ein anderes Castle zu sehen. Aber dazu später. Auf jeden Fall war ich glücklich, diesen Ort gesehen und beschnuppert zu haben. Zu erwähnen wäre noch, dass der Roman Feuer und Stein von Diana Gabaldon, der in die Fernsehserie Outlander mündete, ebenfalls hier zu großen Teilen gedreht wurde.

Unser nächstes Domizil für zwei Nächte war die bezaubernde Kleinstadt Pitlochry, die am südlichen Tor der Highlands schlummert. Wir wanderten zum Craigover Hill, der eine traumhafte Sicht auf die kilometerlangen Loch Tummel und Loch Rannoch gab. Hungrig von der Wanderung, besuchten wir, wie jeden Abend, einen Pub, um uns zu stärken. Aber die Sache mit der schmackhaften Nahrungsaufnahme ist nicht so ganz einfach.

Exkurs: Schottland ist ein wundervolles Land, wenn man vom Essen absieht. Im Prinzip wird dort alles frittiert, was essbar ist. Fish and Chips kennt wohl jeder. Der Fisch ist lecker, aber die Panade fettig und wird mit Unmengen von Essig getränkt, so dass letztendlich alles ungenießbar wird. Einmal bestellte ich mir King Ribs, in der Hoffnung, leckere Rippchen zu bekommen. Aber es war in dicker Panade gefangenes, fischstäbchengroßes Hackfleisch, welches mehrfach nebeneinander gelegt war und durch die frittierte Masse wie ein Rippenstück zusammengehalten wurde. Dann gibt es zum Beispiel noch Haggis (Schafsmagen, der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird) und Black Pudding (Schweineblut mit Getreide). Diese beiden „Delikatessen“ werden sogar zum Frühstück gereicht, wenn man dies möchte. Ich mochte nicht. Zur Ehrenrettung muss ich sagen, dass die Burger in den Pubs recht lecker schmecken und auch Steak with Ale Pie, eine Art faseriger Gulasch in Schwarzbiersoße, der mit einem brötchenförmigen Stück Blätterteiggebäck gereicht wird. Das Bier ist sehr lecker, mir hat vor allem das Schwarzbier der kleinen lokalen Brauereien geschmeckt. Manches war fast so dick und schwarz wie Zuckerrübensirup. Das werde ich schmerzlich vermissen.

Am nächsten Tag besuchten wir das weiß getünchte Blair Castle, um welches sich ein wunderschöner Garten sowie ein Wald mit bis zu 60m hohen Douglasien und Weymouthskiefern schmiegt. Dann fuhren wir weiter nach Norden, durch die Highlands, um in Nairn, einer kleinen Stadt an der Nordseeküste, dreimal zu nächtigen. Die vom Lärm der Tausendschaften an Möwen und deren Exkrementen geplagten Stadt ist nicht wirklich schön. Jedoch verbrachte hier Charlie Chaplin in den 1970er Jahren seine Sommerurlaube. Warum er das gerade hier tat, lässt sich nicht mehr nachvollziehen.

Ein paar Kilometer westlich liegt die recht bezaubernde Stadt Elgin mit der Ruine der mächtigen Elgin Cathedral. Ein solch monumentales Gebäude, bei dem die Türme sogar noch begehbar sind, lässt einen schon mal kurz innehalten und man bekommt regelrecht Ehrfurcht vor den Leistungen unserer Altvorderen. Anschließend besuchten wir noch das in der Nähe liegende Spynie Castle, wo früher der Bischof von Elgin residierte.

Der nächste Tag wurde militärisch, ein Besuch von Fort George stand auf dem Plan. Dort sind noch immer 500 Soldaten stationiert, die für Auslandseinsätze ausgebildet werden. Früher waren dort bis zu 1.600 Soldaten untergebracht. Schließlich musste Schottland von englischen Soldaten vor Feinden beschützt werden. Dann ging es nach Inverness ein wenig Bummeln (Stichwort: Schuhe) und die Sehenswürdigkeiten der Stadt begutachten.

Am nächsten Tag ging es in Richtung Süden, wo wir das noch bewohnte Cawdor Castle und den mit sehr viel Liebe zum Detail angelegten Garten bestaunen konnten. Dort könnte ich den Rest meine Lebens verbringen. Eine Bibliothek mit Kamin im Turmzimmer verstärkte diesen Wunsch. Einfach traumhaft.

Wir fuhren ziemlich lange an Loch Ness entlang, immerhin streckt sich der See auf eine Länge von 37 km, machten einen Abstecher zum Urquart Castle, welches direkt am See liegt. Ich schaute begierig immer wieder auf das Wasser, aber Nessie ließ sich nicht blicken. Ich ahnte so etwas. Um weiter keine Zeit mit nicht existierenden Monstern zu vertrödeln, reisten wir weiter nach Fort William.

Da wir auch mal so richtig in den Highlands wandern wollten, hatte wir uns die Steall Falls ausgesucht. Mit etwa 120 Metern Fallhöhe sind das immerhin der zweithöchsten Wasserfälle in Schottland und diese waren immerhin Drehort für mehrere Harry Potter Filme. Doch aus der entspannten Wanderung wurde nichts, da wir an einer Brücke auf der falschen Seite des Flusses entlang liefen und wir immer mehr im Moor versanken, während auf der anderen Seite des Flusses die Spaziergänger leichten Schrittes voran kamen. Wir retteten uns aber gerade noch aus dem schlammigen Gefilden, um dann dann in steiniges Gelände zu geraten, wo wir irgendwann vor einer unüberwindbaren Felswand standen. Harry hätte uns jetzt helfen können, aber er war nicht da und so mussten wir, wenige hundert Meter vom Ziel entfernt, wieder umkehren. Verdreckt und entkräftet erreichten wir den Parkplatz. Unser einziges Ziel war nun der Pub.

Am letzten vollen Tag ging es dann von Fort William über Oban (ein kleines Städtchen mit Fährverbindungen zu den Hebriden) zurück nach Edinburgh. Zwischendurch statteten wir dem Castle Stalker alias „Schloss von Aaaaaaaargh“ aus der Schlussszene des Film „Die Ritter der Kokosnuss“ einen Besuch ab. Das als Tower House gebaute Anwesen steht auf einer kleinen Insel, die bei Ebbe im Prinzip zu Fuß erreicht werden kann. Doch wenn wir dies gewagt hätten, wären wir, wie tags zuvor, im Matsch und Schlick versackt. Aber wir sahen sie recht nah. Es waren auch kein Filmteam oder die Polizei in der Nähe. Wirklich.

Tags darauf flogen wir früh zeitig von Edinburgh nach Hause. Die Koffer trafen genau das Höchstgewicht, dafür war das Handgepäck etwas schwerer. Aber dieses wird zum Glück nicht gewogen. Sonst wären Schuhe und Handtaschen noch teurer geworden.

Am liebsten wäre ich auf der Insel geblieben. Es gibt noch so viel zu sehen und zu entdecken. Aber die Urlaubstage sind begrenzt und das finanzielle Budget aufgebraucht. Doch beinahe hätte ich mir im Souvenirshop von Doune Castle zwei halbe Kokosnüsse gekauft, um wie ein Ritter zurück in die schottische Wildnis zu galoppieren.

Ein paar Impressionen der Reise sind hier zu sehen: Schottland

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