Mit Steve Naghavi im Kino – Ein Konzertbericht.

Meine Freude war groß, als Steve Naghavi, der Mastermind von And One, Anfang Dezember letzten Jahres offiziell verkündete, seinen lang gehegten Wunsch in die Tat umzusetzen und eine „Live and Relaxed“ Tour durch die deutschen EBM-Hochburgen zu veranstalten. Die Wartezeit zog sich ziemlich in die Länge und gestern war es dann endlich soweit: Gemeinsam mit Keyboarder Nico Wieditz standen sie vor der Kinoleinwand in der Dresdner Schauburg. Wohnzimmergemütlichkeit aus längst vergangenen Tagen brachten das rotkarierte Sofa, der Röhrenfernseher, der Plattenspieler und die monumentale stoffbespannte Stehleuchte.

Pünktlich 20 Uhr betritt Steve Naghavi im schickem Zwirn die Bühne, setzt sich auf einen geflochtenen Barhocker und meint, dass er von seiner traurigen Kindheit, der Trennung von seiner ersten Freundin und anderen schlimmen Dingen erzählen wird und er nur ein fröhliches Lied zu Gehör bringt. Der langjährige Konzertbesucher weiß natürlich, dass der Sänger viel erzählt und dabei Wahrheit und Spinnerei mischt, wie andere ihr Frühstücksmüsli. Unser kleiner persischer Prinz darf extrovertiert und ein wenig arrogant sein. So kennen und lieben ihn die Fans.

Drei Stunden Konzert vergehen wie im Flug. Natürlich gibt es nach 90 Minuten eine 20-minütige Pause, wie es eben bei einem Film mit Überlänge immer der Fall ist. Außerdem ist Steve Naghavi nach eigenen Angaben auch nicht mehr der Jüngste. Das Publikum amüsiert sich prächtig, es wird viel gelacht und auf Wunsch des Meisters werden auch Zwischenrufe geduldet, wie bei den echten And One Konzerten eben. Es werden seltene Stücke gespielt wie die Urversion von „Krieger“ oder „Dein Duft„. Deutschsprachige Songs überwiegen, was nicht schlecht ist, denn die harten Beats zeigen, dass hier keine Schlagerveranstaltung geboten wird. Steve Naghavi kennt keine Berührungsängste mit dem Publikum, er schreitet selbstbewusst durch die Reihen, flirtet mit sich selbst und den weiblichen Wesen. Bei einem 8-jährigen Mädchen blitzt er auf die Frage, ob sie ihn heiraten wolle, mit den Worten: „Das kannst du knicken!“ gnadenlos ab. Er ist kurz sprachlos, kompensiert dies aber sogleich mit dem Vortragen eines pseudotraurigen Songs.

Der Abend hätte noch länger gehen können, aber wie Steve ab und an hämisch bemerkt: „Ihr müsst ja morgen wieder arbeiten gehen!“. Damit hat er recht, viel Abend ist am Ende auch nicht mehr übrig, denn kurz nach 23 Uhr wird die Stehlampe ausgeknipst und die Band entlässt uns in die regnerische Nacht.

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