So nah und doch so fern. 

Sonnenstrahlen fallen durch die kleinen Löcher des Faltrollos und kitzeln meine Nase. Ich muss niesen und bin sogleich wach. Ein kurzer Blick zum Wecker sagt mir, dass ich noch über eine Stunde schlafen könnte. Aber draußen gurren sich die Tauben heiser an und die Elstern streiten sich lautstark darum, wer die glänzendsten Löffel stibizt hat. Ich ziehe mir die Decke über den Kopf und versuche, wieder einzuschlafen.

Plötzlich schrillt der Wecker. „Es war doch noch über eine Stunde Zeit.“ brummele ich vor mich hin. Schlaftrunken rolle ich aus dem Bett und öffne das Fenster. Kein Taubengegurre, kein Elstergezanke. Ich höre Möwengekreische und Meeresrauschen. Verwirrt von den Geräuschen, suche ich meine Brille, um visuell das Gehörte zu verifizieren. Tatsache, vor meinem Fenster liegt ein weißer Sandstrand und dahinter kräuseln sich sanfte Meereswellen. ‚Eine Sinnestäuschung.‘ denke ich so bei mir, während ich meine Hose suche. Ich verlasse die Wohnung, der Strand beginnt gleich vor der Haustür. Barfuß renne ich durch Sand direkt bis ans Wasser. Das Nass ist eisig kalt, dafür bin ich wach. Meine Füße tragen mich an der frühmorgendlichen Sandküste entlang. Der Wind säuselt mir sanft um den Kopf. Ab und zu fliegt eine Möwe an mir vorbei. Ich drehe mich um: Das Haus ist inzwischen nur ein kleiner Punkt. Mir geht es gut. Ach was sage ich, mir geht es super gut.

Plötzlich vermischt sich das Meeresrauschen mit einem mir bekannten Weckerklingeln, welches alsbald unerträglich laut wird. Mühsam erreicht meine Hand die Snoozetaste. Durch das gekippte Fenster höre ich das heisere Rucksen der Ringeltauben. Wenigstens sind die Elstern ruhig. Es ist 6.15 Uhr. Zeit zum Aufstehen und Fertigmachen für die Arbeit. Ich schlurfe noch etwas schlaftrunken ins Bad. Der Spiegel zeigt mir zersaustes Kopfhaar. Ein Blick nach unten offenbart mir feinen weißen Sand zwischen meinen Zehen.

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