Gefangen im Licht.

Es war einer dieser heißen Sommertage, bei denen man sich schon am Morgen den Feierabend sehnlichst herbeiwünscht. Aber man hat in der Regel weder eine Fee, noch eine Elfe zur Hand, die einem da weiter helfen kann. Irgendwann war dann doch der Feierabend da und die Arbeitskollegen wollten in den Biergarten, da musste man mich nicht lange überreden. Natürlich war aufgrund der überragenden Wetterlage kaum ein Platz frei, aber wir fanden noch einen Tisch, ließen uns nieder, aßen, tranken, lachten, lästerten. Was man eben so unter Männern tut. Die Zeit rannte, es wurde dunkel und endlich angenehm kühl. Da wir den nächsten Tag wieder unseren Arbeitgeber beglücken wollten, machten wir uns auf den Heimweg.

Mit dem Rad fuhr ich ein Stück den Elbradweg entlang, später bog ich ab und kam durch ein kleines Wäldchen. Dort war es nahezu stockdunkel. Nur das Licht meiner Fahrradlampe strahlte ein weißes Licht auf den Weg. Ein kurzes Knacken im Unterholz ließ meinen Blick nach rechts schweifen. Dort geisterten kleine weiße Punkte umher. Ich hielt an, um mir das Schauspiel von Nahem anzusehen. Ich stellte mein Rad an einen Baum und ging vorsichtig in den Wald. Am Anfang ahnte ich noch einen schmalen Pfad, der aber wenige Meter weiter von Farnen, Moosen und anderen Pflanzen verschluckt wurde und sich im Nichts verlor.

Die kleinen weißen Lichter tanzten etwas unrhythmisch durch das Unterholz. ‚Glühwürmchen. Es sind Leuchtkäfer, die auf Partnersuche sind.‘ kramte ich aus meinen Kopf. Die leuchtenden Weibchen locken die Männchen zur Begattung an und nur die am hellsten leuchtenden Weibchen bekommen einen Partner. Diese lassen sich aus etwa zwei Meter Höhe auf die Weibchen fallen. Soweit konnte ich mich noch an mein erweitertes Schulbuchwissen erinnern. Dann fiel mir ein, dass heute Johannisnacht ist, die Nacht, in der die Glühwürmchen am aktivsten sind. Mich wunderte nur, dass es so unglaublich viele leuchtende Käfer waren. Einen langen Augbenblick genoss ich den wundersamen, aber zugleich fesselnden Anblick.

Ich wollte gerade umkehren, da formierten sich die Glühwürmchen zu einem Kreis und tänzelten fast nicht mehr. Sogleich glomm ein zartes Licht aus der Mitte des Kreises auf, welches immer intensiver wurde und sich als wunderschöne blonde Frau in weißen Gewändern manifestierte. ‚Eine richtige Elfe.‘ staunte ich leise vor mich hin. Sie hatte genauso spitz zulaufende Ohren wie ich. Ob mein erhöhter Bierkonsum Schuld an diesen Bildern war, konnte ich nicht sagen, aber die Erscheinung reichte mir die Hand und ich nahm sie an. Die Hand war weich und irgendwie heiß. Ich spürte eine wahnsinnige Energie in mir, meine Sinne schwanden. Plötzlich wurde alles schwarz um mich herum.

Keine Ahnung was dann mit mir passiert ist. Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf dem Waldboden und über mir schwebten viele kleine Glühwürmchen. Alles an mir schien in Ordnung zu sein, ich fühlte keine äußeren Verletzungen. Ein wenig benommen stand ich auf und suchte den Weg zu meinem Fahrrad. Ein Blick zurück ins Unterholz zeigte mir scheinbar unschuldig tänzelnde Leuchtkäfer. Ich stieg auf mein Fahrrad und trat in die Pedalen. Meine Lenden schmerzten ein wenig. Seltsam.

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