Das Zucchini Dilemma.

Jedes Jahr, sobald die Sonne den Erdboden ausreichend gewärmt hat, wird man mit ihnen überschwemmt. Diese dunkelgrünen Zeppeline, die zu 93% aus Wasser bestehen und geschmacksneutral sind. Jeder Zweite fragt, ob man nicht ein paar dieser Kürbisgewächse haben möchte. ‚Nein!‘ schrillt mein Gehirn und plötzlich halte ich zwei Zucchini in den Händen, die fast so lang sind wie meine Unterarme. Mein gequältes Dankeschönlächeln nimmt die Freizeitgärtnerin mit einem süffisantem Grinsen entgegen.

‚Dann gibt es heute Abend wieder Auflauf, obwohl erst gestern der Zucchinieintopf nach drei Tagen alle geworden war.‘ denke ich so bei mir. Immerhin sind die Früchte aus biologischem Anbau, handgewässert, mit Liebe bedacht und voller Vitamine. Noch ahne ich nicht, dass meine Frau vier von diesen Mörderteilen mit nach Hause bringt.

Am Wochenende wollen wir grillen. Auf dem Grill müssen meine Steaks den Platz mit Zucchinischeiben teilen. Der martialische Akt des Grillens von Fleisch, der uns Männer ein kleines bisschen urwüchiger erscheinen lässt, mutiert so zum Kaffeekränzchen. Zum Glück muss ich keinen Eierlikör trinken, aber wer weiß, wo das alles noch hinführt.

Unsere Küche gleicht inzwischen einem Gemüseladen, der sich auf Zucchini spezialisiert hat. Die Früchte stapeln sich an jedem freien Platz, kaum dass ich das Radio bedienen kann. In dieser Zeit träume ich nachts von Killerzucchini und anderen schlimmen Dingen, die ich an dieser Stelle nicht näher ausführen möchte, da die Handlungen massiv jugendgefährdend sind. Jedenfalls bin ich morgens meist ziemlich verstört und wenn ich die Küche betrete, zucken meine Mundwinkel nervös.

Die größte Datenbank im Internet listet 12.809 verschiedene Rezepte des Kürbisgewächses. Knapp die Hälfte davon muss ich jedes Jahr probieren und meistens auch selbst zubereiten. Weil es gesund ist und schmeckt, sagt die Frau. Dabei habe ich festgestellt, je höher der Fleischanteil im Zucchinigericht ist, desto leckerer wird es. Vielleicht kann ich die Zucchini irgendwann doch ganz durch Fleisch ersetzen. Träume darf ich schließlich noch haben.

Allerdings habe ich mich zu früh gefreut. In der Küche wird gerade Zucchini-Ananas-Marmelade gekocht. Dann soll ich auch gleich ein paar der grünen Dinger reiben, denn unsere Gäste sollen morgen einen Zucchini-Schoko-Kuchen kredenzt bekommen. Als dann noch verkündet wird, dass es in Zukunft Zucchini-Aufstrich fürs Frühstücksbrötchen gibt, macht mein Kreislauf schlapp. Eine Überdosis Zucchini zwingt meinen Körper in die Knie.

Als ich wieder zu mir komme, nehme ich gar liebliche Gerüche wahr, die meine Sinne erwachen lassen. Es gibt Spiegelei mit kross gebratenem Schinken. Ohne Zucchini, nur mit einem Hauch frischer Petersilie obenauf.

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